Faire Mode in der Diskussion

v.l. Reinhard Maas, Ulrike Weßel u. Ute Koczy von der Lemgoer Fair-Trade-Initiative

Welche Kleidung kaufen wir, genauer, aus welchen Materialien ist sie gefertigt und unter welchen Bedingungen wird sie hergestellt? Zu diesen Fragen gab es im Kastanienhaus am Wall im Rahmen der “Fairen Woche” eine angeregte und aufschlussreiche Diskussionsveranstaltung. Eingeladen hatte neben der AWO die Lemgoer Fair-Trade-Initiative, die mit großem Engagement dafür sorgt, dass sich der Fair-Trade-Gedanke in Lemgo weiter verbreitet, so dass Lemgo mit dem Titel “Fair-Trade-Town” zertifiziert werden konnte. Die stellvertretende Bürgermeisterin Renate Bauer überbrachte deshalb auch die anerkennenden Grußworte von Bürgermeister Dr. Austermann.

Spannend wurde die Diskussion insbesondere auch deswegen, weil sich mit Ulrike Weßel eine Vertreterin des bekannten Unternehmens KiK den kritischen Fragen stellte und zum anderen Reinhard Maas, Geschäftsführer der Maas-Naturwaren, bereits in der Praxis zeigt, dass 100% nachgewiesene fair produzierte und ökologische Kleidung angeboten werden kann.

Die Vertreter der Fair-Trade-Initiative hatten 2017 vor dem neu eröffneten KiK-Geschäft in Lemgo für die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards in der KiK-Lieferkette demonstriert. Ulrike Weßel stellte sich der Diskussion und beschrieb die Absichten, die auf freiwilliger Basis im “Textilbündnis” entwickelt worden sind.  Als Antwort auf tragische Unfälle in Textilfabriken initiierte Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller 2014 die Gründung des Textilbündnisses. Gemeinsam wollen die Bündnispartner – KiK gehört dazu – soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der gesamten Textil-Lieferkette erreichen. Basierend auf gemeinsam definierten Bündniszielen setzen sich alle Mitglieder verbindliche und nachprüfbare Ziele, die sie schrittweise ambitionierter gestalten wollen. Ergänzend werden gute Lösungsansätze mit konkreten Bündnisinitiativen in den Produktionsländern gefördert. Hier erfährt man, was KiK beabsichtigt.

Reinhard Maas von Maas-Naturwaren stellt heraus, dass Materialien von Pflanzen und artgerecht gehaltenen Tieren  die Grundlage der gesamten Produktpalette bilden.
“Wir verwenden fast ausschließlich Naturfasern aus nachwachsenden Rohstoffen, außer bei wenigen Ausnahmen, wo die Funktion einen Anteil an Kunstfasern erfordert. Wo immer möglich, setzen wir Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder Tierhaltung (kbT) ein.
Für uns sind die ethischen und sozialen Kriterien, unter denen unsere Kleidung angefertigt wird, genauso wichtig wie die ökologischen; Kinderarbeit und unwürdige Arbeitsbedingungen sind für uns tabu. Der Hauptteil unserer Kleidung stammt aus zertifizierten Betrieben, hauptsächlich in Deutschland und im europäischen Ausland. Fast alle Betriebe sind uns persönlich bekannt.” Es wurde deutlich, dass KiK und Maas völlig unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und unterschiedliche Marktanteile erreichen.

Beide Fachleute aus der Textilbranche waren sich einig: Die Freiwilligkeit im “Textilbündnis” führe bei den Beteiligten zu guten Absichten, auch zu mehr Transparenz, aber nicht zwangsläufig zu einer wirklichen Verbesserung der Verhältnisse in den sogenannten Billiglohnländern.

Die Anwesenden stellten viele Nachfragen und diskutierten die Möglichkeiten von Kundinnen und Kunden, die jeweilige Geschäftspolitik zu beeinflussen. Sie waren sich mit den Firmenvertretern einig, Änderungen seien nur möglich mit klaren gesetzlichen Vorgaben, die länderübergreifend verabredet werden müssten.